Immobilien Magazin

ZYKLUS OHNE ENDE

Seit Jahren kennt die Immobilienbranche nur eine Richtung: nach oben. Doch wie lange wird das noch andauern? Die Experten sind da geteilter Meinung.

Autor: Sophie Schoeller

Endlich ist es wieder soweit: Es ist Expo-Zeit. Wenige Tage vor dem Beginn der Messe ist die Stimmung in der Branche prächtig. Die wie jedes Jahr in München stattfindende Immobilienmesse nahmen wir als Anlass, von namhaften Persönlichkeiten der Immobilienbranche eine Einschätzung über die Entwicklung des österreichischen Immobilienmarktes vornehmen zu lassen. Ebenfalls wollten wir wissen, wie denn die Prognose für die folgenden Jahre 2019, 2020, 2021 und 2022 aussieht, und baten unsere Teilnehmer, diese in Form eines Wetterberichtes mit den Kategorien sonnig, bewölkt, heiter aber bewölkt, regnerisch und Gewitter vorzunehmen.

Positive Grundstimmung

Ohne zu viel verraten zu wollen, denn die Expertenmeinungen finden sich auf den folgenden Seiten, können wir sagen: Die Einschätzungen sind geprägt von einer positiven Grundstimmung. Ganz sicher tragen aktuelle Entwicklungen wie die Hochphase der Konjunktur, die schon seit mehreren Jahren andauernde Niedrigzinspolitik sowie eine stetig wachsende Bevölkerung zu dieser Hochphase bei. Nachdem freier Wohnraum immer knapper wird, ist es kein Wunder, dass somit auch überall ein allgegenwärtiger Preisanstieg registriert wird. Alle Assetklassen verzeichnen einen starken Nachfrage- sowie als Folge einen Preisanstieg. Wenn überhaupt, wird spätestens ab dem Jahr 2022 mit einem leicht rückläufigen Trend gerechnet, doch auch dieser ist laut unseren Befragten nicht allzu wahrscheinlich. Mögliche Gründe dafür wären steigende Zinsen, die das Finanzierungsumfeld ändern würden und in der Dynamik des steigenden Immobilienmarktes deutlich zu spüren sein würden. Mindestens so positiv wie die Einschätzung des Verlaufs des österreichischen Immobilienzyklus ist laut unseren Experten der weitere Ausblick auf die kommende Entwicklung der nächsten vier Geschäftsjahre 2019, 2020, 2021 und 2022.

Sonnige Jahre voraus

Laut Jasmin Soravia hat die Weltpolitik trotz düsterer Aussichten bisher noch keine negativen Reaktionen auf den Immobilienmarkt ausgelöst. Sie prognostiziert somit für 2019 bis 2020 Jahre voller Sonnenschein, und auch folglich soll es, abhängig von der Zyklusentwicklung, durchwegs heiter bleiben.

Nicht-zyklische Entwicklung

In dieser Hinsicht teilt Andreas Quint ihre Positivität: "Immobilienmärkte entwickeln sich aus meiner Sicht nicht zyklisch, sondern sind von nicht-zyklischen wirtschaftlichen und politischen Ereignissen geprägt - wie zum Beispiel seit einiger Zeit durch die Niedrigzinsphase in Folge der Finanzkrise. Derartige Ereignisse sind nicht mit Zyklustheorien zu erklären oder gar vorherzusagen. Grundsätzlich gehen wir von einer weiteren positiven Entwicklung der Immobilienmärkte aus. Auf möglicherweise steigende Zinsen sind wir bilanziell hervorragend vorbereitet, rechnen aber in absehbarer Zeit nicht damit." Quint sieht sogar die gesamten kommenden vier Jahre als äußerst heiter. Auch Daniel Riedl sieht der Zukunft sonnig entgegen: "Für alle, die über Flexibilität im Geschäftsmodell verfügen, ein gutes Produkt bieten und den Bedarf genau im Auge behalten, werden die kommenden Geschäftsjahre Erfolg bringen. Wer hingegen die Innovation scheut und sich immer nurauf Altbewährtes verlässt, wird ab dem Jahr 2020 im Regen stehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Unternehmer die Frage stellen sollten, ob sie für eine Zykluswende gut gerüstet sind. Dies gelingt mit der Orientierung am realen Marktbedarf und dem richtigen Produkt." Wünschen würde sich Thomas Hussl, im Sinne der Leistbarkeit von Wohraum und sozialen Stabilität und Gerechtigkeit, eine baldige Konsolidierung.

Zweifelhafte Prognosen

Heinz-Peter Weiss hingegen sieht die gegenwärtige Situation am Markt deutlich kritischer. Er spricht von dunklen Wolken, die sich seiner Meinung nach in einem heftigen Gewitter in den nächsten Jahren entladen werden und deren Nachwirkungen noch länger zu spüren sein werden. Doch Weiss kann sich auch einen Ausgang in die andere Richtung vorstellen, so dass die Wolken von starken Winden vertrieben werden. Alles ist seiner Meinung nach denkbar, denn: "Prognosen haben meistens eines gemeinsam: Sie stimmen sehr selten!"Für Roland Schmid steht fest, dass die Zykluswende kommen wird. Denn dass die Preise weiterhin so steigen wie in den vergangenen Jahren, kann er sich nicht vorstellen. Für eine Umkehr des Zyklus sprechen laut Schmid Aspekte wie die schon sehr lange bestehende Niedrigzinsphase. Wenn diese in absehbarer Zeit zu Ende gehen würde, hätte das sehr große Auswirkungen auf den Immobilienmarkt.

Andauernde Konjunkturperiode

Alexander Kopecek traut sich eine sehr genaue Vorhersage zu und berichtet von einer Konjunkturperiode, die sich über die nächsten acht Jahre durchwegs positiv hinziehen wird. Über einen längeren Zeithorizont lassen sich jedoch laut Kopecek keine verlässlichen Angaben mehr machen. Weiters erwartet er, dass die Preise am Immobilienmarkt laufend leicht steigen werden, doch diese Erhöhung soll sich in einem normalen Rahmen bewegen. Bei stärkeren Zinssatzerhöhungen sollen die Immobilienpreise gedämpft werden. Folglich soll so manche Immobilie von weniger vermögenden zu vermögenden Marktteilnehmern wechseln, ohne die Konjunktur grundsätzlich zu unterbrechen.Einig sind sich alle der von uns befragten Persönlichkeiten: Die Vorhersage über die Entwicklung eines Marktes, speziell des Immobilienmarktes, ist sehr anspruchsvoll, da diese von zahlreichen, oftmals komplexen Faktoren abhängt. Aufgrund dessen ist es oftmals schwierig, eine genaue Einschätzung über diese abzugeben. Wann und ob eine Zykluswende zu erwarten ist, wird sich in der Realität zeigen. Und doch lässt sich bemerken: Die Experteneinschätzungen sind von einer postiven Stimmung gefärbt. Die Konjunktur befindet sich in Österreich am Höhepunkt. Dies und andere Faktoren tragen zu einer erhöhten Nachfrage in allen Assetklassen bei.

Preisentwicklungen

Große Preissprünge nach oben sind eher unwahrscheinlich, die Veränderungen werden sich vermutlich auf Seitwärtsbewegungen beschränken. Denn durch die vorherrschende Niedrigzinspolitik und aufgrund mangelnder alternativer Kapitalanlageformen ist die Nachfrage am Markt nach wie vor ungebrochen, sagt Sebastian Nitsch, Vorstand bei der 6B47. Diese Faktoren sollen laut dem Experten dazu beitragen, dass die kommenden Jahre wieder sehr gute Immobilienjahre in Österreich werden.